Sonderausstellung

 

Japanisches Glas heute

 

  1. März – 8. Oktober 2017 im Glasmuseum Frauenau

 

Traditionell und hochmodern, versunken in der Stille und voll pulsierender Aktivität, faszinierende Landschaften und dynamische Metropolen. Japan ist vielfältig und einzigartig, aber vor allem ist Japan anders. Das gilt für Alltag, Arbeit und Architektur und natürlich auch für Kultur und Kunst.

 

Mit seiner neuen Ausstellung taucht das Glasmuseum Frauenau tief in die Welt der zeitgenössischen japanischen Glaskunst ein und gibt dem von einer ganz eigenen Ästhetik geprägten Glas aus Japan nach langer Zeit wieder einmal ein Forum in Deutschland/Europa. Die letzte große Ausstellung zu diesem Thema fand 1993 im Kunstmuseum Düsseldorf statt.

 

Seitdem hat sich in Japan im Bereich des künstlerischen Glases ein entscheidender Wandel vollzogen. Der Beginn der Auseinandersetzung mit Glas als Ausdrucksmittel der Kunst war im Wesentlichen an europäischen und nordamerikanischen Vorbildern orientiert. Heute treten gerade die für die Ausstellung ausgewählten Künstler auf gänzlich japanische Art und Weise an den Werkstoff Glas heran. Dabei bringen die Künstler aus Tokyo, Toyama, Nagoya, Takayama und Hiroshima sehr klare Grundmuster im künstlerischen Denken zum Ausdruck.

 

Die Ausstellung will ganz bewusst dem ursprünglichen ästhetischen Empfinden Japans nachspüren. Die japanische Ästhetik hat weltweit eine große Popularität erlangt, gilt aber immer noch für viele Europäer als fremdartig, höchst spirituell und gefühlsbetont. Die Interpretation dieser kulturspezifischen Werte ist für die Künstler dieser Ausstellung eine reizvolle Prämisse. Die Schau spannt jedoch den Bogen bis nach Europa. Denn neben den Arbeiten aus Japan findet sich eine Reihe von Werken japanischer Künstler, die in Europa leben, und europäischer Künstler, die eine Zeit lang in Japan gelebt und gearbeitet haben.

 

Kokoro – das Herz – ist der vielsagende Titel dieser Ausstellung. Künstler und Ausstellungsteam haben diesen Titel nach intensiven interkulturellen Diskussionen um den halben Erdball gemeinsam gewählt. Viel Herzblut, Leidenschaft und Durchhaltevermögen brauchte es auch, um die Ausstellung zu realisieren. Und so ist es umso bemerkenswerter, dass dem Besucher hier Glaskunst aus dem Land der aufgehenden Sonne präsentiert werden kann.

 

Gleich zu Beginn empfängt den Besucher die Spiegel-Installation von Harumi Yukutake mit dem Titel „Engi“. Es ist ein, wie die Künstlerin selbst sagt, „Viel-Glück-Objekt“, das Wohlstand und Freude bringen soll. Kriegerisch kommen dagegen die „Blade Men“ von Shunji Omura auf den ersten Blick daher. Doch sieht er das Schwert als Symbol der Selbstdisziplin. In der Sprache der Blumen begegnet wiederum Runa Kosogawa den Betrachtern ihrer hauchzarten gläsernen Blüten. Mit ihnen zeigt die Künstlerin die Schönheit im Kleinen und greift damit auf die japanische Überlieferung zurück, denn in der traditionellen japanischen Kunst und Dichtung wurden Pflanzen häufig thematisiert. Wie gläserne Mischwesen aus einer fremden Welt muten dagegen die Objekte von Masahiro Sasaki an. Voll unbekannter Faszination sind die Werke von Machiko Ito. Als Material für ihre Arbeiten benutzt sie ‚Glasgarn‘ aus industriellen Glasfasern, das gestrickt, verwebt und zu Objektformen gebündelt wird. Diese und noch viele weitere Exponate öffnen den Blick in die japanische Kunst.

 

Ein zweisprachiger Katalog stellt jeden Künstler samt einer Auswahl seiner Werke auf sehr persönliche Art und Weise vor. Der Autor und Kurator der Ausstellung, Norbert Kalthoff, hat dafür ganz individuelle Gedanken, Skizzen und Fotos aus der Lebenswelt der Künstler in einem intensiven Dialogprozess mit jedem Künstler gesammelt und mit großer literarischer Finesse aufbereitet.

Die Künstler:

Yoko Miyata, Hiroshima

Yoshi Yamauchi, Kevelaer, Deutschland

Masami Hirohata, Nürnberg

Akira Nakagawa, Sapporo

Keiko Mukaide, Edinburgh, Schottland

Masahiro Sasaki, Nagoya

Yoshiaki Kojiro, Takayama

Harumi Yukutake, Tokyo

Tsuyoshi Inoue, Tokyo

Mica Okuno, Yokohama

Runa Kosogawa, Takayama

Ai Kigoshi, Tokyo

Shunji Omura, Tokyo

Machiko Ito, Toyama

Jin Hongo, Toyama

Lada Semecka (CZ – Artist in Residence am Toyama Institute of Glass Art)

Mare Saare (EST – Artist in Residence am Toyama Institute of Glass Art)

 

Die neben dem Glasmuseum liegende „Galerie am Museum“ zeigt bis zum 30. Juni eine Ausstellung mit Arbeiten von Kyoko Takeuchi unter dem Titel „Eine Japanerin im Bayerischen Wald“.