Studiensammlung – Schenkungen, Leihgaben und Depotbestände

 

Neueröffnung der SCHAEFER-Stiftung

Schnupftabakgläser aus dem Bayerischen Wald

Der Schnupftabak war im Bayerwald einst ein unverzichtbares Genussmittel. Zahlreiche Schnupftabakfabriken stellten das aromatische Pulver her. Viele passionierte Schnupfer machten ihren Schnupftabak aber nach streng gehütetem Rezept selbst.

Aufbewahrt wurde der Schnupftabak in kleinen, flachen Fläschchen aus Glas – typisch für den Bayerischen Wald mit seinen vielen Glashütten. Umgangssprachlich werden sie liebevoll „Bixl“ genannt. Es gab einfache Gläser für den täglichen Gebrauch, die in manchen Glasfabriken zum Produktionsprogramm gehörten. Oft wurden sie aber von den Glasmachern „geschunden“, also in den Arbeitspausen hergestellt. Kleine Kostbarkeiten waren die aufwändig gestalteten „Feiertagsgläser“, die oft eine ganz persönliche Note hatten, wie einen Namen, ein Monogramm oder ein Zunftzeichen für den Beruf des Besitzers.

So klein die Schnupftabakgläser auch sind, es finden sich alle Glasmachertechniken und sämtliche Arten der Glasveredelung auf ihnen wieder. Heute ist kaum noch ein Tabakglas in Gebrauch. Die „Bixl“ wurden in den letzten Jahrzehnten zu beliebten Sammelobjekten. Glasmacher und Veredler gestalten eigenwillige und höchst modern anmutende Kreationen, die die Schnupftabakgläser zu kleinen Kunstwerken werden lassen.

Die Sammlung der Schaefer-Stiftung ist die wohl größte Sammlung von Schnupftabakgläsern weltweit. 

Die Schnupftabakgläser der Schaefer-Stiftung im Glasmuseum Frauenau

 

Die derzeit etwa 1.200 Schnupftabakgläser stammen aus einem Bestand von über 3.500 Gläsern aus Bayern, Böhmen und Österreich von 1800 bis 2015, der in 40 Jahren vom Ehepaar Schaefer zusammengetragen wurde. Sie beinhalten auch die wichtigsten Stücke der bedeutendsten Privatsammlungen seit 1960 wie Fastner, Zanella, Graf, Zimmermann, Lippl und besonders Schaufelberger.

Zunächst wurden im Jahr 2001 dem Glasmuseum Frauenau von der Schaefer-Stiftung etwa 700 Gläser zur Verfügung gestellt, darunter ca. 500 Belegstücke der bekanntesten zeitgenössischen Glasmacher, Glasschleifer, Graveure und Maler im Raum Frauenau und Zwiesel. Weiter ein Überblick über Glastechniken im Vergleich alter und neuer Schnupftabakgläsern. Letztlich auch eine Übersicht über sämtliche im Hafen geschmolzene Glasfarben der Hütten Theresienthal, Schott, Eisch und Poschinger um 1990.

Infolge der immer noch nicht behobenen Bauschäden im Glasmuseum sind derzeit die Fenstervitrinen der Schaefer-Stiftung nicht belegt und dieser Teil der Sammlung nicht zugänglich.

Im Jahr 2018 wurde der zur Verfügung stehende Bereich der Schaefer-Stiftung in der Studiensammlung des Glasmuseums Frauenau im ersten Stock mit großem finanziellen Aufwand völlig neu gestaltet. Dazu wurden über 500 weitere Gläser aus der Schaefer-Stiftung bereitgestellt und zwar die bedeutendsten Stücke aus der Sammlung Schaefer. Sie teilen sich in folgende Gruppen auf:

  • Alte STGL von 1800 bis 1860
  • STGL aus dem Böhmerwald 1850 – 1900
  • Industrielle Fertigung von STGL in Spiegelau und Spiegelhütte um 1900
  • Meisterstücke von Glasmachern und Glasveredlern von 1970 – 2015
  • Die Sammlung Margarete Schaufelberger
  • Studioglaskünstler
  • Repliken und Fälschungen von STGL von 1970 – 2000

 

 

 

Weitere Spezialsammlungen

 

Schmuckes Glas – Der Nachlaß von Franz-Josef Ginzel (1898-1960)aus Gablonz an der Neisse

Aus der einstigen Hochburg der Glaskurzwarenproduktion, dem nordböhmischen Gablonz an der Neiße, stammt die Vielzahl an gläsernen Perlen, Ketten, Ringen, Broschen und Knöpfen, die das Glasmuseum Frauenau als Dauerausstellung in der Studiensammlung schmückt. Aus dem Verborgenen wieder ans Tageslicht befördert hat die kostbare Sammlung Franz Ginzel aus Krefeld. Dessen Onkel, Franz Josef Ginzel (1898-1960), war gelernter Perlen- und Knopfmustermacher in Gablonz und im internationalen Glaswaren-Exportgeschäft verantwortlich tätig. Er nahm die reiche Sammlung an handgefertigtem Schmuck im Zuge seiner Vertreibung aus Gablonz mit in den Westen. Nach Jahren in führenden Angestelltenverhältnissen baute sich Franz Josef Ginzel 1929 ein eigenes Glaswaren-Exportgeschäft auf und pflegte Handelsbeziehungen in die ganze Welt. Wachsende wirtschaftliche Schwierigkeiten jedoch zwangen ihn 1934 zur Aufgabe der Selbständigkeit. In den Folgejahren leitete er die Glasbijouterie und Knopfabteilung der renommierten Firma Posselt in Obertannwald bis 1938 das Sudetenland ans Deutsche Reich angeschlossen wurde und sich Ginzels Leben von Grund auf veränderte. Mit seiner Familie musste er 1948 die Heimat verlassen. Nach zahlreichen Zwischenstationen und Gelegenheitsjobs landete Franz Josef Ginzel 1959 in Krefeld. Dort fanden auch seine unzähligen Perlen-und Knopfmuster, Ketten, Ringe und Broschen, die er über die Jahre kreiert und in Heimarbeit gefertigt hatte, ein neues Zuhause. Von Krefeld aus wollte Franz Josef Ginzel wieder ins Glaskurzwarengeschäft starten – was ihm jedoch nie mehr gelang. Sein Neffe Franz hat die einzigartige Sammlung 2013/14 aus den Kisten im Speicher geholt, sie liebevoll sortiert, inventarisiert –und dem Glasmuseum Frauenau als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Schmuckes Glas aus Nordböhmen. (Foto: Sepp Eder)

 

 

 

 

Von der Masse zur Klasse

Gebrauchsglas (Slg. Kermer) und Luxusglas (Jugendstil – Slg. Bramenkamp) aus Lothringen   (Frankreich)

In einer Großvitrine wurden zwei außergewöhnliche Sammlungen bewusst zusammengestellt, um die Entwicklung der Glasherstellung in einer Region zu präsentieren, die mit dem Bayerischen Wald vergleichbar ist. Eine jahrhundertealte Tradition der Entwicklung bis zum feinsten künstlerischen gläsernen Produkt um die vorletzte Jahrhundertwende soll gebündelt zum Ausdruck bringen, wie vielfältig und wie ambitioniert die Herstellung von Glas sein kann.

Ähnlich wie in den Bayerwald-Glashütten hat sich auch in den Hütten in den Vogesen der Rückgang vollzogen. Die letzte Glashütte „La Rochere“, die bis heute noch manufakturiell Glas hergestellt hat, steht kurz vor der endgültigen Schließung.

Prof. Dr. Wolfgang Kermer, der dem Glasmuseum Frauenau auch seine umfangreiche Sammlung von Studioglas geschenkt hat, will mit einem Vortrag zur Glasherstellung in Lothringen im Frühjahr 2019 auf die Entwicklung und den Niedergang der Hütten in und um die Vogesen aufmerksam machen.

 

 

 

 

Böhmische Paperweights (Briefbeschwerer) –  aus der Sammlung von Margitta und Thomas Köhler

 

 

Blumen, Schmetterlinge und andere Tiere, ja sogar Menschenfiguren finden sich. Es sind faszinierende Motivwelten in den buntesten Farben, die Briefbeschwerer aus Glas in ihrem Innern beherbergen. Ihren Ursprung haben die Paperweights, so die international eingebürgerte Bezeichnung, in Italien und Schlesien/Böhmen, wo in den 1840er Jahren mit der Herstellung begonnen wurde, etwas später folgten Frankreich, England und Nordamerika. Seit dieser Zeit sind sie als Sammelobjekte begehrt. Mit viel Liebe bauten auch Margitta und Thomas Köhler aus Frankfurt am Main eine herausragende Sammlung von Paperweights in allen Facetten auf. Für diese Ausstellung stellte Margitta Köhler dem Glasmuseum Frauenau eine Auswahl ihrer schönsten Stücke zur Verfügung und gibt damit einen Einblick in die vielfältige Paperweight-Produktion in den böhmischen Glashütten.

 

Das Besondere an den Paperweights sind die zwei- oder dreidimensionalen Motive, die durch den Einschluss in einer „Glaskuppel“ vergrößert dargestellt werden. Durch einen Schliff der Glaskugel kann dieser Effekt verändert oder umgewandelt werden. In der Regel sind die eingeschlossenen Motive aus buntem Glas gestaltet. Es können aber ebenso Figuren aus einer porzellanähnlichen Masse oder speziell übertragene Fotos sein. Von der zeitlichen Einordnung unterscheidet man die „klassische Periode“ von 1840 bis 1870, in der die Paperweights oft Teil des Hüttenprogramms waren, und die „nachklassische Periode“ von 1870 bis 1945. In dieser Zeit entstanden die Objekte oft in Privatarbeit der Glasmacher. Allen gemeinsam ist aber, dass sie meist nicht praktisch als Briefbeschwerer verwendet, sondern als Liebhaberstücke aufgestellt wurden.

 

 

weitere Sammlungen:

Veredelung im Böhmischen Glas 1840 bis 1930  –  Sammlung Dr. Ingild Janda-Busl, Bamberg

Hinterglasmalerei von Spanien bis China – Sammlung Udo Dammert, Allgäu

und Sammlungsbestände zu verschiedenen technischen Themen oder Objektgruppen